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BILDREIHE · UNTERSTUFE

Giraffensprache & Miteinander

Gefühle verstehen. Gemeinsam Lösungen finden.

Diese Bildreihe unterstützt Lehrpersonen und Klassenassistenzen dabei, mit Kindern der Unterstufe eine wertschätzende Gesprächskultur zu entwickeln. Sie orientiert sich an der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg und übersetzt deren Grundgedanken in verständliche Alltagssituationen. Die Giraffe steht für genaues Hinschauen, Zuhören und das Ausdrücken von Gefühlen, Bedürfnissen und konkreten Bitten.

Der Wolf macht sichtbar, wie Vorwürfe, Bewertungen oder verletzende Worte ein Gespräch erschweren können, ohne ein Kind als «gut» oder «schlecht» einzuordnen. Die 30 Karten greifen vertraute Situationen auf, etwa Material teilen, mitspielen wollen, verlieren oder einen Streit klären. Kurze Beispielsätze und spielerische Aufgaben laden dazu ein, andere Worte und Handlungsmöglichkeiten auszuprobieren.

Kinder dürfen dabei sprechen, zeigen, zeichnen oder passen, und Erwachsene begleiten sie entsprechend ihrem Entwicklungsstand. Für den Klassenrat bietet die Reihe einfache Gesprächshilfen und überschaubare Aufgaben, die Kinder mit Unterstützung übernehmen können. Klare Grenzen bleiben wichtig: Verletzendes Verhalten wird gestoppt, und bei Gewalt, Mobbing oder Überforderung übernehmen Erwachsene die Verantwortung. So wird die Giraffensprache zu einer gemeinsamen Übung im Schulalltag, bei der Zuhören, Rücksicht und passende nächste Schritte wachsen dürfen.

30 Karten

01 / 30 · Ankommen & Beobachten

So spricht die Giraffe.

Ich sage, was ich brauche.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind steht neben zwei bauenden Kindern. Die Lehrperson zeigt an dieser erfundenen Szene, wie sich ein Wunsch freundlich und deutlich aussprechen lässt.

Ausprobieren

Zwei Handpuppen probieren eine kurze Bitte. Die Kinder dürfen antworten, eine andere Idee anbieten oder zuerst zuschauen.

Für LP und Klassenassistenz

Die vier Schritte sind eine Orientierung. In der 1. Klasse reichen zunächst «Ich fühle …» und «Bitte …». Kein Kind muss eine vollständige Formel aufsagen.

Darauf achten

Ein Kind formuliert mit Unterstützung einen eigenen Wunsch.

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02 / 30 · Ankommen & Beobachten

Erst Pause. Dann Worte.

Ich darf eine Pause brauchen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Nach einem Streit ist ein Kind noch zu aufgebracht zum Zuhören. Eine erwachsene Person bleibt ansprechbar und bietet einen ruhigen Platz in Sichtweite an.

Ausprobieren

Im ruhigen Zustand ein Pausenzeichen vereinbaren. Kinder zeigen, ob ihnen Abstand, ein Getränk oder Begleitung gerade helfen könnte.

Für LP und Klassenassistenz

Zuerst Schutz und Entlastung, später das Gespräch. Keine Strafinsel, kein erzwungenes Atmen und keine feste Wartezeit als Bedingung fürs Wiederkommen.

Darauf achten

Das Kind kann ein Pausenzeichen nutzen oder Unterstützung annehmen.

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03 / 30 · Ankommen & Beobachten

Stopp heisst Stopp.

Meine Grenze zählt. Deine auch.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Beim Fangspiel hält ein Kind ein anderes am Pullover fest. Das Spiel wird unterbrochen; die erwachsene Person sorgt dafür, dass das Festhalten aufhört.

Ausprobieren

Mit Abstand und ohne Berührung üben: Ein Kind sagt oder zeigt «Stopp», das andere bleibt stehen und geht einen Schritt zurück.

Für LP und Klassenassistenz

Eine Schutzgrenze ist keine Bitte, über die verhandelt werden muss. Ein leises, nonverbales oder ausbleibendes Stopp entbindet Erwachsene nicht vom Schutzauftrag.

Darauf achten

Ein Stoppsignal wird beachtet; bei Bedarf wird Hilfe geholt.

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04 / 30 · Ankommen & Beobachten

Ich sehe genau hin.

Ich beschreibe, was passiert ist.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Aus «Du machst immer alles kaputt!» wird zunächst eine Beschreibung: «Der Turm ist umgefallen. Drei Steine liegen am Boden.» Was davor geschah, wird offen geklärt.

Ausprobieren

Ein kleines Bauwerk zeigen, verdecken und verändern. Die Kinder beschreiben danach nur die sichtbaren Veränderungen.

Für LP und Klassenassistenz

Auch Beobachtungen sind ausschnitthaft. Nicht vorschnell eine Absicht oder Schuld ergänzen. Die andere Person darf ihre Sicht schildern.

Darauf achten

Ein Kind nennt ein sichtbares Ereignis ohne Personenetikett.

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05 / 30 · Ankommen & Beobachten

Ein Satz. Ohne «immer».

Ich bleibe bei dieser Situation.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Die Puppe ruft: «Du lässt mich nie reden!» Die Klasse sucht eine überprüfbare Beschreibung der gerade gespielten Situation.

Ausprobieren

Wörterkarten «immer», «nie» und «heute» nur an erfundenen Puppensätzen erproben. Danach sagt die Puppe, was sie sich konkret wünscht.

Für LP und Klassenassistenz

Keine Sprachkontrolle im echten Streit. Erst das Anliegen hören, dann beim Präzisieren helfen. Ein «immer» kann auf ein wiederkehrendes Problem hinweisen.

Darauf achten

Ein Kind kann einen pauschalen Satz mit Unterstützung präzisieren.

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06 / 30 · Fühlen & Brauchen

Wie geht es mir?

Ich darf mein Gefühl benennen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind findet für sein Erleben noch kein Wort. Es darf auf ein Bild zeigen, ein eigenes Wort verwenden oder passen.

Ausprobieren

Vier selbst gezeichnete Gefühlsgesichter anbieten: froh, traurig, wütend, unsicher. Für eine erfundene Geschichte dürfen mehrere Antworten passen.

Für LP und Klassenassistenz

Gefühle nicht von aussen festlegen. Fragen wie «Bist du vielleicht enttäuscht?» bleiben Angebote; das Kind darf widersprechen.

Darauf achten

Das Kind findet ein Wort, ein Zeichen oder eine passende Form des Passens.

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07 / 30 · Fühlen & Brauchen

Mein Körper gibt Hinweise.

Ich merke, wie es mir gerade geht.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind bemerkt warme Wangen oder angespannte Hände. Gemeinsam wird überlegt, was ihm jetzt helfen könnte.

Ausprobieren

An einer neutralen gezeichneten Figur zeigen: Wo merken wir manchmal Freude, Aufregung oder Wut? Niemand muss den eigenen Körper vorführen.

Für LP und Klassenassistenz

Körpersignale sind individuell und mehrdeutig. Keine Diagnose aus Haltung, Bewegung oder Blickkontakt ableiten; Berührung nur mit Einverständnis.

Darauf achten

Ein Kind erkennt ein eigenes frühes Signal oder benennt eine Hilfe.

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08 / 30 · Fühlen & Brauchen

Wut darf da sein.

Mein Gefühl darf da sein. Ich brauche einen sicheren Weg.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind hat ein Spiel verloren und ärgert sich. Die erwachsene Person erkennt den Ärger an und stoppt zugleich das Werfen von Material.

Ausprobieren

Eine Puppe verliert. Die Kinder bieten sichere Möglichkeiten an: Wut malen, Abstand nehmen, Worte finden oder eine erwachsene Person holen.

Für LP und Klassenassistenz

Gefühl und Handlung trennen. Kein Kind muss fröhlich werden oder die Wut sofort erklären. Sicherheit bleibt die Verantwortung der Erwachsenen.

Darauf achten

Ein Kind kann eine sichere Möglichkeit für seinen Ärger auswählen.

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09 / 30 · Fühlen & Brauchen

Was brauche ich?

Hinter meinem Gefühl steckt etwas Wichtiges.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind ist traurig, weil es bei einer Gruppenaufgabe keine Aufgabe hat. Ein möglicher Wunsch nach Beteiligung wird vorsichtig angesprochen.

Ausprobieren

Zu einer erfundenen Geschichte zwei oder drei Bedürfnisbilder anbieten. Die Kinder begründen, was passen könnte, und lassen mehrere Möglichkeiten stehen.

Für LP und Klassenassistenz

Bedürfnisse nicht erraten und als Tatsache erklären. «Könnte dir Zugehörigkeit wichtig sein?» ist eine Einladung, keine Festlegung.

Darauf achten

Ein Kind kann sagen oder zeigen, was ihm wichtig ist.

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10 / 30 · Fühlen & Brauchen

Ein Bedürfnis. Viele Wege.

Wir suchen mehr als eine Möglichkeit.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Zwei Kinder möchten denselben roten Stift. Malen können und eigene Ideen umsetzen sind die Anliegen; der eine Stift ist nur ein möglicher Weg.

Ausprobieren

Für eine erfundene Situation drei Lösungen legen: abwechseln, anderes Material finden oder gemeinsam gestalten. Beide Beteiligten dürfen Vorschläge ablehnen.

Für LP und Klassenassistenz

Bedürfnis und Lösungsweg unterscheiden. Über persönliches Eigentum, Schutz oder körperliche Grenzen wird nicht wie über Gemeinschaftsmaterial verhandelt.

Darauf achten

Die Kinder finden mindestens zwei gangbare Lösungswege.

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11 / 30 · Bitten & Zuhören

Ich bitte ganz konkret.

Ich sage, was du tun könntest.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

«Sei netter!» lässt offen, was helfen würde. In der Bastelszene wird eine kleine, sichtbare Handlung benannt: den Kleber reichen.

Ausprobieren

Puppenaufträge testen: Kann die andere Puppe erkennen, was sie tun soll? Wenn nicht, gemeinsam genauer formulieren.

Für LP und Klassenassistenz

Eine Bitte ist keine verkleidete Drohung. Ton und Folgen zählen mit; auf ein Nein wird nicht mit Beschämung reagiert.

Darauf achten

Eine Bitte benennt eine verständliche und machbare Handlung.

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12 / 30 · Bitten & Zuhören

Ein Nein darf sein.

Ich darf antworten. Wir können weitersuchen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind möchte sich einen besonderen Stift ausleihen. Das andere möchte ihn behalten. Beide werden gehört und suchen bei Bedarf eine Alternative.

Ausprobieren

Mit Puppen drei Antworten üben: Ja, Nein und ein anderer Vorschlag. Erst bei unverbindlichen Alltagssituationen beginnen.

Für LP und Klassenassistenz

Bitten erlauben Ablehnung. Davon unterscheiden sich Schutzregeln und notwendige Anweisungen: Diese klar als solche benennen, mit Verständnis und begrenzten Wahlmöglichkeiten.

Darauf achten

Ein Nein kann ohne Abwertung gehört und beantwortet werden.

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13 / 30 · Bitten & Zuhören

Ich höre dich.

Ich lasse dich ausreden und frage, ob ich dich verstanden habe.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Im Gespräch möchte ein Kind zuerst fertig erzählen. Das Gegenüber gibt anschliessend einen Gedanken in eigenen Worten wieder.

Ausprobieren

In Paaren über eine erfundene Figur sprechen: Eine Person erzählt einen Satz, die andere spiegelt ihn und fragt nach.

Für LP und Klassenassistenz

Aufmerksamkeit muss nicht durch starres Stillsitzen oder dauernden Blickkontakt gezeigt werden. Zuhören mit Bewegung oder Blick auf den Tisch kann ebenfalls gelingen.

Darauf achten

Das Kind kann einen Gedanken des Gegenübers zutreffend wiedergeben.

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14 / 30 · Bitten & Zuhören

Ich frage nach.

Ich weiss nicht alles über dich.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind schaut still auf die Bauecke. Die Klassenassistenz fragt vorsichtig nach, statt ihm ein Gefühl zuzuschreiben.

Ausprobieren

Zu einem Bild zwei mögliche Deutungen finden. Dann einen fragenden Satz formulieren, den die Figur auch verneinen dürfte.

Für LP und Klassenassistenz

Gefühle und Bedürfnisse sind keine Detektivprüfung mit einer richtigen Lösung. «Nein, so ist es nicht» wird angenommen.

Darauf achten

Ein Kind stellt eine offene oder vorsichtig vermutende Frage.

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15 / 30 · Bitten & Zuhören

Ich sage es noch einmal.

Ich kann meinen Satz verändern.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Die Puppe ruft: «Du bist blöd!» Nach einer Pause sagt sie: «Ich bin ärgerlich. Ich wollte noch weiterspielen. Können wir einen neuen Termin abmachen?»

Ausprobieren

Nur die eigene Puppenfigur verbessern, nicht ein anderes Kind öffentlich übersetzen. Die Klasse bietet der Puppe zwei hilfreiche Formulierungen an.

Für LP und Klassenassistenz

Auch Erwachsene korrigieren ihre eigenen Sätze. Reparieren ersetzt nicht das Klären eines entstandenen Schadens, eröffnet aber einen neuen Gesprächseinstieg.

Darauf achten

Ein Kind oder eine erwachsene Person kann einen eigenen Satz überarbeiten.

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16 / 30 · Miteinander im Klassenalltag

Wir teilen das Material.

Wir klären, was beide brauchen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Zwei Kinder greifen nach demselben Gemeinschaftsstift. Die Lehrperson stoppt das Ziehen und lässt beide ihr Anliegen zeigen oder sagen.

Ausprobieren

Eine kleine Materialkonferenz mit zwei Puppen: Wer braucht was, wofür und wann? Eine Vereinbarung mit einem Bild festhalten und kurz testen.

Für LP und Klassenassistenz

Nicht automatisch das ruhigere Kind warten lassen. Vereinbarungen müssen für beide tragbar sein; Knappheit kann auch eine Organisationsfrage der Erwachsenen sein.

Darauf achten

Die Kinder können eine überprüfbare Materialabsprache erproben.

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17 / 30 · Miteinander im Klassenalltag

Alle finden einen Platz.

In unserer Klasse gehört jedes Kind dazu.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Bei einer Unterrichtsaufgabe bleibt ein Kind ohne Rolle. Die Klasse klärt, welche sinnvolle Aufgabe es übernehmen kann und welche Unterstützung fehlt.

Ausprobieren

Für eine gemeinsame Bauaufgabe unterschiedliche Aufgaben verteilen und wechseln: planen, bauen, Material holen, erklären.

Für LP und Klassenassistenz

Zugehörigkeit zur Klasse ist gesichert. Freundschaft und privates Spiel werden nicht erzwungen; wiederholter Ausschluss oder Diskriminierung erfordert erwachsenes Handeln.

Darauf achten

Jedes Kind hat bei der Lernaufgabe einen zugänglichen Beitrag.

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18 / 30 · Miteinander im Klassenalltag

Wenn etwas kaputtgeht.

Wir schauen hin und suchen Wiedergutmachung.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Bauwerk wurde umgestossen. Nach der Sicherung wird geklärt, was geschehen ist und welche Hilfe beim Wiederaufbau gewünscht wird.

Ausprobieren

An einem erfundenen kleinen Bauwerk Reparaturideen sammeln. Die betroffene Puppe wählt, welche Unterstützung sie annehmen möchte.

Für LP und Klassenassistenz

Keine erzwungene Umarmung, Entschuldigung oder sofortige Versöhnung. Verantwortung bleibt klar, auch wenn die Handlung nicht absichtlich war.

Darauf achten

Eine konkrete Wiedergutmachung wird vereinbart und später überprüft.

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19 / 30 · Miteinander im Klassenalltag

Beim Verlieren fair bleiben.

Ich darf enttäuscht sein und eine Pause wählen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind verliert beim Würfelspiel und möchte aufhören. Die erwachsene Person benennt die Enttäuschung als mögliche Erfahrung und klärt den nächsten Schritt.

Ausprobieren

Die Puppe verliert absichtlich eine kurze Spielrunde. Kinder zeigen ihr zwei sichere Möglichkeiten, mit Enttäuschung umzugehen.

Für LP und Klassenassistenz

Nicht verlangen, dass ein Kind dem Sieger sofort gratuliert. Aussetzen und späteres Wiederkommen ermöglichen, ohne verletzendes Verhalten zu dulden.

Darauf achten

Ein Kind kann nach Enttäuschung eine sichere Handlungsoption nutzen.

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20 / 30 · Miteinander im Klassenalltag

Leise arbeiten. Klar bitten.

Wir sagen, was beim Lernen hilft.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Eine Gruppe bespricht eine Aufgabe, während daneben still gelesen wird. Zwei berechtigte Arbeitsbedürfnisse treffen aufeinander.

Ausprobieren

Geräusche im leeren Klassenraum erproben. Gemeinsam festlegen, wo gesprochen werden darf und welcher Rückzugsplatz fürs Lesen geeignet ist.

Für LP und Klassenassistenz

Eine Kinderbitte ersetzt keine gute Raum- und Unterrichtsorganisation. Lehrperson und Assistenz schaffen passende Arbeitszonen und unterstützen die Absprache.

Darauf achten

Die Klasse kann eine passende Arbeitsabsprache benennen und testen.

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21 / 30 · Vorleben & Spielen

Auch Erwachsene üben.

Wir dürfen Fehler bemerken und Verantwortung übernehmen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Die Lehrperson hat ein Kind vor der Klasse scharf angesprochen. Später übernimmt sie Verantwortung und formuliert ihr Anliegen neu.

Ausprobieren

Erwachsene spielen eine kurze erfundene Szene und korrigieren ihren eigenen Satz. Die Kinder beobachten, was sich beim zweiten Versuch verändert.

Für LP und Klassenassistenz

Keine Entschuldigung mit «aber du …» entwerten und Kinder nicht für die Gefühle der Erwachsenen verantwortlich machen. Notwendige Regeln gelten weiterhin.

Darauf achten

Kinder erleben eine nachvollziehbare erwachsene Selbstkorrektur.

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22 / 30 · Vorleben & Spielen

Eine Regel gibt Halt.

Klar und respektvoll passt zusammen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind läuft mit einer offenen Schere. Die erwachsene Person unterbricht sofort und erklärt anschliessend die Schutzregel.

Ausprobieren

Sätze sortieren: Ist das eine offene Bitte, eine Wahl oder eine notwendige Schutzregel? Nur sichere Puppenszenen verwenden.

Für LP und Klassenassistenz

Schutzregeln nicht als scheinbar freie Bitte verkaufen. Kurz begründen und eine sichere Handlung anleiten; danach Gefühle hören. Keine gefährliche Szene real nachspielen lassen.

Darauf achten

Die Erwachsenen unterscheiden eine Bitte von einer Schutzanweisung.

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23 / 30 · Vorleben & Spielen

Wir verwandeln Wörter.

Wir üben mit Giraffe und Wolf.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Der Wolf sagt: «Gib her, das ist meins!» Die Kinder fragen nach dem Anliegen und bieten ihm einen konkreten Satz zum Ausprobieren an.

Ausprobieren

Zwei Handpuppen, ein Gemeinschaftsgegenstand, zwei Durchgänge. Nach jeder neuen Formulierung darf die andere Puppe ehrlich antworten.

Für LP und Klassenassistenz

Die Tiere zeigen wechselnde Sprachmuster, keine guten und bösen Wesen. Keine echten Konfliktsätze mit Namen von Kindern vorführen.

Darauf achten

Die Kinder entwickeln für eine erfundene Szene einen verständlichen Satz.

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24 / 30 · Vorleben & Spielen

Was braucht die Figur?

Mehrere Antworten können passen.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Auf einem eigenen Bild steht eine Figur vor einer schwierigen Aufgabe. Die Klasse sammelt mögliche Gefühle und Bedürfnisse, ohne eine Lösung als einzig richtige festzulegen.

Ausprobieren

Kleine eigene Szenen zeichnen. In Paaren je zwei mögliche Bedürfnisse nennen; die zeichnende Person erzählt erst anschliessend ihre Idee.

Für LP und Klassenassistenz

Keine privaten Erlebnisse einfordern. Kinder dürfen eine erfundene Geschichte wählen, malen, zeigen oder passen. Mehrsprachige Wörter sind willkommen.

Darauf achten

Ein Kind hält mehrere Deutungen offen und fragt nach.

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25 / 30 · Vorleben & Spielen

Zwei Kinder. Zwei Sichtweisen.

Wir können dieselbe Situation unterschiedlich erleben.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Zwei Puppen sitzen auf unterschiedlichen Seiten eines Bauwerks. Jede beschreibt, was sie sehen kann. Erst zusammen entsteht ein vollständigeres Bild.

Ausprobieren

Ein selbst gebautes Objekt aus zwei Blickwinkeln zeichnen lassen. Danach vergleichen, was beide gesehen haben und was verborgen blieb.

Für LP und Klassenassistenz

Unterschiedliche Perspektiven bedeuten nicht, dass jeder Übergriff zwei gleichwertige Seiten hat. Beobachtbare Verletzungen und Schutzbedarf klar benennen.

Darauf achten

Die Kinder können einen Unterschied in zwei Beschreibungen stehen lassen.

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26 / 30 · Klassenrat & Hilfe

Ich leite mit Hilfe.

Ich begleite den Klassenrat Schritt für Schritt.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind übernimmt die Gesprächsleitung gemeinsam mit einer erwachsenen Person. Es begrüsst, nennt das Thema und lädt zum Sprechen ein.

Ausprobieren

Eine harmlose Frage im Fünf-Minuten-Kreis bearbeiten: Welches Spiel nehmen wir für die nächste Bewegungsminute? Leitungsaufgabe danach wechseln.

Für LP und Klassenassistenz

Die erwachsene Person behält Prozess und Schutz im Blick. Die Kinderleitung entscheidet nicht über Schuld und übernimmt keine erwachsene Konfliktverantwortung.

Darauf achten

Das leitende Kind kann einen Gesprächsschritt mit Hilfe eröffnen.

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27 / 30 · Klassenrat & Hilfe

Ich erinnere an die Zeit.

Ich helfe, dass unser Gespräch übersichtlich bleibt.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind beobachtet eine Sanduhr. Wenn sie durchgelaufen ist, gibt es das vereinbarte stille Zeichen; die Leitung entscheidet über Verlängerung.

Ausprobieren

Zunächst nur eine Zwei-Minuten-Ideenrunde begleiten. Zeigen statt unterbrechen. Nächste Woche übernimmt ein anderes Kind die Aufgabe.

Für LP und Klassenassistenz

Zeit ist ein Hilfsmittel, kein Druckmittel. Kinder werden nicht mitten in einem wichtigen Schutzanliegen abgewürgt; die erwachsene Person entscheidet über den Rahmen.

Darauf achten

Ein Zeithinweis wird ruhig und verständlich gegeben.

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28 / 30 · Klassenrat & Hilfe

Ich halte unsere Idee fest.

Wir merken uns, was wir ausprobieren.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Der Klassenrat vereinbart eine Materialregel. Ein Kind malt das Zeichen dazu; die Lehrperson ergänzt, wer was bis wann ausprobiert.

Ausprobieren

Ein Symbol für eine einzige Vereinbarung zeichnen und am nächsten Klassenrat wieder zeigen. Wer noch nicht schreibt, diktiert oder wählt ein Bild.

Für LP und Klassenassistenz

Im sichtbaren Protokoll keine verletzenden Aussagen, Diagnosen oder Schuldlisten über einzelne Kinder sammeln. Persönliche Konfliktinformationen gehören geschützt behandelt.

Darauf achten

Die Klasse kann die Vereinbarung später wiedererkennen.

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29 / 30 · Klassenrat & Hilfe

Hat es geholfen?

Wir schauen nach und verändern unsere Idee.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Nach einer Woche wird die neue Materialregel überprüft. Die Kinder beschreiben konkrete Erfahrungen und suchen bei Bedarf eine bessere Lösung.

Ausprobieren

Mit drei neutralen Zeichen abstimmen: geholfen, teils geholfen, noch nicht geholfen. Einzelne Beispiele hören und eine nächste Veränderung festhalten.

Für LP und Klassenassistenz

Nicht die «besten Giraffen» küren und keine Kinder rangieren. Beobachtet werden die Vereinbarung und erreichbare Fortschritte, nicht der Wert einer Person.

Darauf achten

Die Klasse benennt einen Fortschritt und einen nächsten Versuch.

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30 / 30 · Klassenrat & Hilfe

Ich hole Erwachsene dazu.

Hilfe holen schützt.

Praxisidee und Begleitung

Beispiel

Ein Kind wird wiederholt ausgeschlossen oder bedroht. Eine erwachsene Person hört zu, dokumentiert Beobachtungen und organisiert die schulisch vereinbarte Unterstützung.

Ausprobieren

Mit erfundenen Situationen üben: Wen kann ich hier konkret ansprechen? Einen sichtbaren Hilfeweg mit zwei erreichbaren Erwachsenen zeigen.

Für LP und Klassenassistenz

Mobbing, Gewalt und starke Machtungleichgewichte nicht durch einen öffentlichen Klassenrat oder erzwungene Mediation lösen lassen. Klassenassistenz gibt Beobachtungen an die zuständige Lehrperson weiter; Schutz wird sofort organisiert.

Darauf achten

Ein Kind kennt einen erreichbaren Hilfeweg; Erwachsene handeln verbindlich.

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Ideen für deinen Klassenalltag

Ein kurzer Impuls, ein erfundener Streit oder ein gemeinsamer Rückblick reichen zum Einstieg. Im Praxisheft findest du einen flexiblen Sechs-Wochen-Einstieg, acht Spiele, Gesprächsbeispiele und sechs begleitete Aufgaben für den Klassenrat.

Spiele und Übungen entdecken

Bild-Stopp

5 Minuten · eigene Szenenkarte oder kleines Bauwerk · Eine kurze erfundene Szene zeigen und stoppen. Kinder nennen, was sie sehen. Danach erst mögliche Gefühle oder Anliegen sammeln.

Darauf achten: Auch zwei verschiedene Beschreibungen dürfen stimmen. Keine Absicht unterstellen.

Zwei Fenster

5–8 Minuten · selbst gebautes Objekt · Zwei Kinder betrachten dasselbe Objekt von verschiedenen Seiten und beschreiben es. Danach wechseln sie den Platz und ergänzen ihre Beschreibung.

Darauf achten: Unterschiedliche Wahrnehmung ist kein Beweis für Unwahrheit; bei einem Übergriff bleibt Schutz klar.

Wörter im zweiten Versuch

5 Minuten · zwei selbst gestaltete Handpuppen · Eine Puppe sagt einen pauschalen Vorwurf. Nach einer Pause probiert sie zwei neue Sätze. Die andere Puppe darf ehrlich antworten.

Darauf achten: Nur erfundene Beispiele; keine realen Kindernamen und kein öffentliches Nachspielen verletzender Erlebnisse.

Ein Anliegen, drei Ideen

5–10 Minuten · Papier und Stifte · Eine Puppe möchte mitzeichnen, aber ein Gemeinschaftsstift ist besetzt. Die Kinder zeichnen drei Möglichkeiten und prüfen, welche für beide tragbar ist.

Darauf achten: Ein Bedürfnis nicht mit einem einzigen Lösungsweg gleichsetzen; über persönliche Grenzen wird nicht abgestimmt.

Gefühlspost für die Figur

5 Minuten · eigene Gefühlsskizzen · Für eine erfundene Figur passende Gefühlsskizzen auswählen. Jede Wahl mit «Vielleicht …» vorstellen; mehrere Vorschläge stehen lassen.

Darauf achten: Kein Raten über die echte Stimmung eines anderen Kindes. Passen ist erlaubt.

Bitte auf Machbarkeit prüfen

5 Minuten · Puppen und ein neutraler Gegenstand · Eine Puppe hört «Sei netter!» und weiss nicht, was sie tun soll. Gemeinsam einen kleinen, ausführbaren Wunsch formulieren und ausprobieren.

Darauf achten: Eine Bitte ist keine Drohung. Ein Nein führt zu Nachfragen oder einer Alternative.

Rollenrunde ohne Streit

8–10 Minuten · Sanduhr und Redeobjekt · Im kleinen Kreis eine harmlose Frage besprechen, zum Beispiel das Spiel für die nächste Bewegungspause. Zwei Kinder üben Leitung und Zeitbegleitung.

Darauf achten: Rollen erst in sicheren Situationen lernen; Erwachsene sichern den Rahmen.

Eine Woche testen

5 Minuten plus Alltag · Bildprotokoll · Eine einzige gemeinsame Absprache festhalten und am vereinbarten Tag überprüfen. Zeigen: geholfen, teilweise geholfen oder noch nicht geholfen.

Darauf achten: Die Lösung wird bewertet, nicht das Kind. Ein neuer Versuch ist ein Lernschritt.

Aufgaben im Klassenrat

Gesprächsleitung im Tandem

Mit einer einfachen Ablaufkarte begrüssen, eine Person einladen und zum nächsten Schritt überleiten.

«Möchtest du etwas sagen oder passen?»

Leitet mit erwachsener Hilfe; entscheidet nicht über Schuld oder Schutz.

Zeitbegleitung

Eine Sanduhr beobachten und das vereinbarte stille Zeichen geben.

«Brauchen wir noch etwas Zeit?»

Unterbricht keine wichtige Schutzmitteilung; die Leitung entscheidet über Verlängerung.

Bildprotokoll

Eine gemeinsame Vereinbarung zeichnen oder einer erwachsenen Person diktieren.

«Was wollen wir bis Freitag ausprobieren?»

Keine Schuldlisten oder privaten Konfliktdetails öffentlich festhalten.

Materialdienst

Ablaufbilder, Gefühlskarten und Stifte bereitstellen und wieder einsammeln.

«Was brauchen wir für unseren Kreis?»

Kein Kontrollamt und keine Bewertung des Verhaltens anderer Kinder.

Redeobjekt-Service

Das Redeobjekt auf Wunsch weiterreichen; eine sichtbare Sprechreihenfolge unterstützen.

«Wer möchte als Nächstes?»

Kein Zwang zum Sprechen oder Anfassen; Zeigen oder Melden bleibt möglich.

Rückblick-Tandem

Zu Beginn die letzte Vereinbarung zeigen und nach Erfahrungen fragen.

«Was hat uns geholfen?»

Beobachtet eine Absprache, keine Rangliste der «besten Giraffen».

Fachliche Grundlagen und Literatur

Die Reihe ist eine eigene Ausarbeitung auf Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation, des Lehrplans 21 und fachlicher Hinweise zur Konfliktklärung und Klassenführung. Zur Recherche gehören öffentliche Fachquellen, Verlagsinformationen und zugängliche Leseproben; die genannten Bücher wurden nicht vollständig gelesen.

Stand: 2. November 2026. Eigene Szenen, Texte und Übungen; keine übernommenen Buchabbildungen oder Kopiervorlagen. Die Materialien ersetzen weder Schutzmassnahmen noch die Begleitung durch verantwortliche Erwachsene.

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