Ein kurzer Impuls, ein erfundener Streit oder ein gemeinsamer Rückblick reichen zum Einstieg. Im Praxisheft findest du einen flexiblen Sechs-Wochen-Einstieg, acht Spiele, Gesprächsbeispiele und sechs begleitete Aufgaben für den Klassenrat.
Spiele und Übungen entdecken
Bild-Stopp
5 Minuten · eigene Szenenkarte oder kleines Bauwerk · Eine kurze erfundene Szene zeigen und stoppen. Kinder nennen, was sie sehen. Danach erst mögliche Gefühle oder Anliegen sammeln.
Darauf achten: Auch zwei verschiedene Beschreibungen dürfen stimmen. Keine Absicht unterstellen.
Zwei Fenster
5–8 Minuten · selbst gebautes Objekt · Zwei Kinder betrachten dasselbe Objekt von verschiedenen Seiten und beschreiben es. Danach wechseln sie den Platz und ergänzen ihre Beschreibung.
Darauf achten: Unterschiedliche Wahrnehmung ist kein Beweis für Unwahrheit; bei einem Übergriff bleibt Schutz klar.
Wörter im zweiten Versuch
5 Minuten · zwei selbst gestaltete Handpuppen · Eine Puppe sagt einen pauschalen Vorwurf. Nach einer Pause probiert sie zwei neue Sätze. Die andere Puppe darf ehrlich antworten.
Darauf achten: Nur erfundene Beispiele; keine realen Kindernamen und kein öffentliches Nachspielen verletzender Erlebnisse.
Ein Anliegen, drei Ideen
5–10 Minuten · Papier und Stifte · Eine Puppe möchte mitzeichnen, aber ein Gemeinschaftsstift ist besetzt. Die Kinder zeichnen drei Möglichkeiten und prüfen, welche für beide tragbar ist.
Darauf achten: Ein Bedürfnis nicht mit einem einzigen Lösungsweg gleichsetzen; über persönliche Grenzen wird nicht abgestimmt.
Gefühlspost für die Figur
5 Minuten · eigene Gefühlsskizzen · Für eine erfundene Figur passende Gefühlsskizzen auswählen. Jede Wahl mit «Vielleicht …» vorstellen; mehrere Vorschläge stehen lassen.
Darauf achten: Kein Raten über die echte Stimmung eines anderen Kindes. Passen ist erlaubt.
Bitte auf Machbarkeit prüfen
5 Minuten · Puppen und ein neutraler Gegenstand · Eine Puppe hört «Sei netter!» und weiss nicht, was sie tun soll. Gemeinsam einen kleinen, ausführbaren Wunsch formulieren und ausprobieren.
Darauf achten: Eine Bitte ist keine Drohung. Ein Nein führt zu Nachfragen oder einer Alternative.
Rollenrunde ohne Streit
8–10 Minuten · Sanduhr und Redeobjekt · Im kleinen Kreis eine harmlose Frage besprechen, zum Beispiel das Spiel für die nächste Bewegungspause. Zwei Kinder üben Leitung und Zeitbegleitung.
Darauf achten: Rollen erst in sicheren Situationen lernen; Erwachsene sichern den Rahmen.
Eine Woche testen
5 Minuten plus Alltag · Bildprotokoll · Eine einzige gemeinsame Absprache festhalten und am vereinbarten Tag überprüfen. Zeigen: geholfen, teilweise geholfen oder noch nicht geholfen.
Darauf achten: Die Lösung wird bewertet, nicht das Kind. Ein neuer Versuch ist ein Lernschritt.
Aufgaben im Klassenrat
Gesprächsleitung im Tandem
Mit einer einfachen Ablaufkarte begrüssen, eine Person einladen und zum nächsten Schritt überleiten.
«Möchtest du etwas sagen oder passen?»
Leitet mit erwachsener Hilfe; entscheidet nicht über Schuld oder Schutz.
Zeitbegleitung
Eine Sanduhr beobachten und das vereinbarte stille Zeichen geben.
«Brauchen wir noch etwas Zeit?»
Unterbricht keine wichtige Schutzmitteilung; die Leitung entscheidet über Verlängerung.
Bildprotokoll
Eine gemeinsame Vereinbarung zeichnen oder einer erwachsenen Person diktieren.
«Was wollen wir bis Freitag ausprobieren?»
Keine Schuldlisten oder privaten Konfliktdetails öffentlich festhalten.
Materialdienst
Ablaufbilder, Gefühlskarten und Stifte bereitstellen und wieder einsammeln.
«Was brauchen wir für unseren Kreis?»
Kein Kontrollamt und keine Bewertung des Verhaltens anderer Kinder.
Redeobjekt-Service
Das Redeobjekt auf Wunsch weiterreichen; eine sichtbare Sprechreihenfolge unterstützen.
«Wer möchte als Nächstes?»
Kein Zwang zum Sprechen oder Anfassen; Zeigen oder Melden bleibt möglich.
Rückblick-Tandem
Zu Beginn die letzte Vereinbarung zeigen und nach Erfahrungen fragen.
«Was hat uns geholfen?»
Beobachtet eine Absprache, keine Rangliste der «besten Giraffen».